Gewicht und Größe

Der HH gehört zu den großen Hunderassen, d.h. die Welpen haben eine unglaubliche Wachstumsgeschwindigkeit. Im Laufe ihres ersten Lebensjahres vervielfachen sie ihr Gewicht - ausgehend von etwa 500g Geburtsgewicht können sie mit etwa einem Jahr häufig schon 20 - 30 kg wiegen. Das entspricht wenigstens einer Vervierzigfachung des Welpengewichts, während die Schulterhöhe mit 8 Wochen meist um die 30 cm beträgt und mit einem Jahr dagegen (fast) das Doppelte oder noch mehr! Wenn man sich diese Gewichts- und Größenzunahmen mal vor Augen hält ist eigentlich selbstverständlich, dass das wachsende Skelettsystem ungeheuren Belastungen ausgesetzt ist. Gerade die X-HH sind meist größer und schwerer (weil sie kompakter, kräftiger sind als viele FCI-Hunde. Gilt aber wie immer nicht für alle.), was eine noch höhere Belastung des wachsenden Skelettsystems nach sich zieht. Wie im Bereich "Gesundheit" - "Skelettsystem" beschrieben, haben sowohl HD als auch ED erbliche Komponenten. Gleichzeitig sind es aber auch multifaktorielle Krankheiten, d.h. dass nur die Veranlagung, HD oder ED bekommen zu können, noch lange nicht bedeuten muss, dass der Hund auch tatsächlich erkrankt! Deswegen ist auch der neue Besitzer gefragt, seinen Hund möglichst bewusst aufzuziehen mit besonderem Augenmerk darauf, die weichen und nicht vollständig belastbaren Knochen und Gelenke nicht zu überfordern. Als wichtigste vorbeugende Maßnahme gilt: ein Welpe sollte sich "großhungern". Welpen, die zuviel Energie aufnehmen, werden erstmal (!) nicht dicker sondern wachsen schneller, was wiederum das Skelettsystem stärker belastet. Zu dicke Welpen kriegen also um einiges zuviel an Futter!! Das dadurch zu hohe Gewicht belastet zusätzlich die Gelenke stärker als es sein muss. Viele sind der Meinung, dass Welpen, die wenig Futter bekommen und sehr schlank sind, kleiner bleiben als Welpen die mehr Futter bekommen. Diese Behauptung ist unsinnig, die Welpen wachsen einfach nur langsamer und kontrollierter. Die Endgröße eines Hundes ist genetisch vorherbestimmt - der Besitzer kann aber beeinflussen, ob sie schnell oder langsam erreicht wird! (Zur Veranschaulichung: Kinder in den Dritte-Welt-Ländern sind fast alle unterernährt. Die, die erwachsen werden, sind aber nicht kleiner als wir in den Industrieländern. Am Ernährungszustand hängt also nicht die endgültige Körpergröße.)

Fütterung

Häufig werden Welpenfutter zur Aufzucht empfohlen. Diese weisen jedoch in der Regel einen sehr hohen Gehalt an Protein (Eiweiß) auf (meist um die 30% oder darüber), worauf viele Junghunde mit sehr zügigem Wachstum reagieren. Um einem zu schnellen Wachstum entgegezuwirken kann also ein frühzeitiger Wechsel (im Alter von ca. 5 Monaten z.B.) auf ein vernünftiges Erwachsenenfutter mit geringerem Proteingehalt (meist um die 20-24%) sinnvoll sein. Natürlich sollte - egal welches Futter - nicht zuviel gefüttert werden (s.o.). Viele Hunde entwickeln auch keine Probleme wenn sie, wie von den Herstellern angegeben, bis zum Alter von 12 Monaten mit Junghundefutter gefüttert werden.

U.U. kann es aber - besonders bei sehr lebhaften, schnellwüchsigen Junghunden - zu einer Knochenhautentzündung (Panostitis) kommen, die mit Schmerzen und Lahmheit einhergeht. Der Wechsel auf ein (Erwachsenen-)Futter mit niedrigerem Eiweißgehalt sowie striktes Ruhehalten des an Panostitis erkrankten Hundes verschaffen meist rasche Verbesserung.

Bei jeder Lahmheit eines Welpen oder Junghundes sollte ein Tierarzt aufgesucht werden, um Folgeschäden durch Übersehen einer möglichen (erblichen) Erkrankung oder einer Verletzung vorzubeugen - auch und gerade wenn die Lahmheit immer "nur mal zwischendurch" auftritt!

Bewegung/Belastung

HH sind sehr lebhafte Hunde, sie toben und spielen mit wahrer Begeisterung, besonders und erst recht natürlich im Welpenalter. Gerade deswegen sollte größtes Augenmerk auf ein normales bis schon fast dünnes Körpergewicht gelegt werden.

Als nächster Punkt gilt: auch wenn der HH so lebhaft ist und gerade Welpen (bzw. auch viele ausgewachsene HH) ihre Grenzen nicht kennen: die Bewegung sollte kontrolliert werden. Keine 2h-Spaziergänge, kein 2h-toben-lassen mit anderen Welpen. All dies würden die meisten HH auch im Welpen- und Junghunde-Alter mit Begeisterung mitmachen, aber es ist ihren weichen Knochen und Gelenken nicht zuträglich! Wenn man es mal macht - da wird nichts passieren. Aber für dauerhafte Belastung sind die Hunde noch zu instabil. Die Knochen und Gelenke verfestigen sich erst ab dem 9. bis etwa zum 15. Lebensmonat bis sie eine relativ endgültige Stabilität erreichen und die Sehnen fest und elastisch genug werden, um ihre volle Funktion übernehmen können.

Daraus ergibt sich auch, dass Radfahren mit so großwüchsigen Hunden unter einem Jahr keinen Sinn macht. Klar kann man schon mit einem Junghund üben dass er es lernt, rechts neben dem Rad herzugehen, nicht an der Leine zu ziehen usw. 200m übungshalber Rad fahren wird auch nicht schaden. Aber das dauerhafte, gleichmäßige Trab-Tempo (meist noch auf harten Böden wie Asphalt) ist absolutes Gift für die nicht ausgereiften Gelenke! Dasselbe gilt auch für's Joggen oder Inlineskaten: alle dauerhaften, gleichmäßigen Bewegungsabläufe sollten im ersten Jahr vermieden werden. Bei besonders großwüchsigen Hunden macht es sogar Sinn, bis zum 15. Lebensmonat zu warten bevor sie körperlich stark belastet werden.

Weiterhin gilt, dass (besonders bei noch sehr jungen Welpen) der Boden nicht glatt und rutschig sein sollte - sonst haben die Welpen u.U. Probleme, vernünftig auf ihren Beinchen laufen zu lernen da sie ihnen immer wieder wegrutschen (können).

Das Treppensteigen ist auch immer wieder ein diskutiertes Thema. Beim Treppensteigen werden treppauf die Hüften und Knie, treppab die Ellbogen über Gebühr stark belastet. Sind es nur zwei oder drei Stufen, ist dies sicherlich auch bei mehrmaligem Treppensteigen am Tag kein Problem. Wer aber im 3. oder 8. Stock wohnt, sollte seinen Welpen NICHT die Treppen immer laufen lassen. Mal zur Gewöhnung, zum Lernen des Bewegungsablaufes - klar, kein Problem. Aber nicht jeden Tag bei jedem Mal Pippi-machen-lassen.

Leider ist es so, dass selbst Hunde, die wirklich sehr schlank aufgezogen werden, die nicht zu stark und zu früh körperlich belastet werden, die kaum Treppen laufen etc. pp. an HD und/oder ED erkranken können. Eine Aufzucht wie beschrieben verringert das Risiko, aber es gibt keine Garantie.

Im Gegenzug gibt es auch immer wieder Welpen die zu fett sind, (auch dadurch) zu stark körperlich belastet werden, jeden Tag bis in den 5. Stock die Treppen rauf- und runtersprinten und trotzdem tadellose Hüft- und Ellbogengelenke haben. Das spricht dann für gutes Erbmaterial ;) - trotzdem muss man es ja nicht darauf ankommen lassen.

Wie gesagt, der HH ist zum Glück keine Rasse bei der man wirklich Angst haben muss, dass sein Hund an HD oder ED erkrankt. Eine vorsichtige Aufzucht macht aus den genannten Gründen dennoch Sinn.