Geschichte FCI

Herkunft - Reinzucht



In seiner heutigen Form ist der Holländische Schäferhund seit Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Auch nach Australien kamen damals Schäferhunde mit holländischen Siedlern, die dann beim Aufbau der australischen Schäferhundezucht (Kelpie und Cattle Dog) mitgewirkt hatten.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann sich die Kynologen in den Niederlanden für die einheimischen Schäferhunde zu interessieren.
In Deutschland war es Rittmeister M. v. Stephanitz, der dem stockhaarigen Deutschen Schäferhund zu internationaler Anerkennung verhalf. In Belgien führte Prof. Reul den Belgischen Schäferhund zur Reinzucht.

Am 11./12.04.1874 erschien der erste "Inländische Hirtenhund" auf einer Ausstellung in Amsterdam.


Schäfer mit Herder1875 erschien eine erste Rassebeschreibung, die wie folgt lautete: mäßig groß, schlank, aber kräftig gebaut und ziemlich hoch auf den Läufen. Der Kopf ist lang mit hoher Stirn und spitzer Schnauze; die Augen liegen tief im Kopf; die Ohren stehen aufrecht, manchmal an der Spitze auch überhängend; die Rute ist kräftig behaart mit einer leichten Fahne auf der Unterseite und wird waagrecht, in der Erregung etwas gekrümmt angehoben getragen; der Ganze Körper ist mit dichtem Rauhaar bedeckt; vorherrschende Farben sind Gelbbraun, Dunkelgrau oder Schwarz. (Diese Beschreibung könnte den Schapendoes wie auch den Hollandse Herdershond betreffen)
1878 fand eine zweite Hundeausstellung statt. Im Ausstellungskatalog stand nun nicht mehr "Inländischer Hirtenhund" sondern "Hollandse Herdershond", welches einiges an Verwirrung stiftete, da der Hund nicht ein "Holländer", sondern ein "Niederländischer Schäferhund" war, der sein Verbreitungsgebiet in Brabant, die Veluwe, t´-Gooi und Drenthe hatte, dort also zuhause war und nicht in den holländischen Provinzen, in denen es keine Heidegebiete gab. (Holland ist das Gebiet zwischen der Mündung der Maas und der Zuidersee und zerfällt in die Provinzen Süd-Holland mit der Hauptstadt Den Haag und Nord-Holland mit der Hauptstadt Haarlem.

Hollandse Herder
Zwischen 1890 und 1900 wurden vereinzelt Bauern- und Schäferhunde ohne bekannter Abstammung auf den zunehmenden Hundeausstellungen gesichtet. 1892 wurde in Belgien der "Club für Belgische Schäferhunde" gegründet, mit einer im Vorjahr bestehenden Anzahl von 117 zuchttauglichen Hunden., selektiert nach vier Varietäten, dem langhaarigen schwarzen Groenendael, dem rauhaarigen Laeken, dem kurzhaarigen braungestromten Mechelars (Malinois) und dem langhaarigen braunroten Tervueren.

 

 

 

 

 

Zwischen 1874 und 1898 kamen trotz zunehmendes Interesse der niederländischen Kynologen nicht mehr als zehn einheimische Schäferhunde zuHollandse Herder Ausstellungen.

Am 13. Mai 1898 versammelten sich 12 Freunde des Niederländischen Schäferhundes, um Vorbereitungen für eine Vereinsgründung zu treffen.

Am 12. Juni 1898 erfolgte in Utrecht durch 17 Personen die Gründung des „Nederlandse Herdershonden Club (N.H.C.)“. Die Rassekennzeichen wurden dabei wie folgt festgelegt: sechs verschiedene Varietäten: Kurzhaar, Mittellanghaar, Langhaar mit aufstehendem Haar, Langhaar mit fallendem Haar, Stichelhaar, Rauhaar. Züchtung nach Gebrauchstüchtigkeit; Farbe und Haarart kann dabei vorläufig außer Acht gelassen werden; alles erlaubt – einschließlich weiße Abzeichen am Kopf, an den Läufen und der Rutenspitze. Die Gebrauchstüchtigkeit der Rasse sollte voll erhalten bleiben. Da der Standard zu weit gefasst und die Vorstellungen, wie der Hund aussehen sollte, zu ungenau waren, gab es folglich in der Zucht Probleme, denn die Hunde waren im Typ zu klein, zu leicht und zu windhundartig.

1906 wurde der Standard diesbezüglich nochmals gründlich überarbeitet: anstatt 6 Varietäten nur noch 3, der Kurzhaar, Langhaar und Rauhaar. Größe mindestens 55cm für Rüden und 50 cm für Hündinnen.

Hollandse Herder RauhhaarWeiße Abzeichen am Kopf nicht erlaubt, lediglich auf Brust und Zehen erlaubt. Da die Schäfer und Bauern immer noch wenig Interesse an einer Reinzucht ihrer Hunde hatten und für sie alleine die Gebrauchstüchtigkeit zählte, dadurch auch keinerlei Initiative gezeigt wurde, traten Präsident und verschiedene Vorstandsmitglieder von ihren Ämtern zurück. Anders war es in Deutschland bei den Deutschen Schäferhunden (unter Rittmeister v. Stehpanitz) und in Belgien bei den Belgischen Schäferhunden (unter Prof. Reu)l, denn die Anzahl dieser reingezüchteten Schäferhunde stieg stetig an. Der Fleiß dieser Züchter aus den Nachbarländern schadete dem Holländischen Schäferhund enorm. erfolgte in Utrecht durch 17 Personen die Gründung des "Nederlandse Herdershonden Club (N.H.C.)".

1907 richtete der damalige Sekretär des Club´s, Clarion ein Rundschreiben an den Kriegsminister und an die Polizeikommissariate, mit dem Hinweis auf die Eignung des Holländischen Schäferhundes als Polizei- und Kriegshund, denn mit dem Verschwinden der großen Schafherden und der Umwandlung der großen Heidegebiete in Ackerland verloren die Hunde weitgehend ihr angestammtes Arbeitsgebiet. Aufgrund dessen stellte die Polizei Holländische Schäferhunde als Spurenhunde und zu Überwachsungszwecken ein. Aber auch als Blindenführhunde bewährten sie sich.

Hollandse Herder
1910 empfahl L. Seeger (einer der bekanntesten Kenner der damaligen Schäferhundzucht in Holland), um die Rasse von den Belgiern abzugrenzen, den schwarzen Schlag aus der Zucht zu nehmen, somit nicht mehr zu erlauben. Die Züchter sollten sich auf den kastanienbraunen Hund konzentrieren. Später schlug er vor, fortan nur noch hell- und dunkelgestromte Hunde zu züchten, damit sie sich eindeutig von den Belgischen- und Deutschen Schäferhunden unterscheiden konnten. Hierdurch konnte er seine eigene Identität und Einzigartigkeit erhalten.
Vor dem ersten Weltkrieg wurden Deutsche Schäferhunde eingekreuzt, damit der Holländer mehr an Größe und Substanz erhalten konnte. Es brauchte danach aber auch viel geduldige Arbeit, die Kreuzungsprodukte wieder aus der Zucht zu eliminieren.

Ab 1914 wurden alle weißen Abzeichen aus dem Standard gestrichen. Zugelassen waren nur noch hell- und dunkelgestromt, gold und silbergestromt für den Kurzhaar; blaugrau, Pfeffer und Salz, hell- und dunkel-gestromt für den Rauhaar und kastanienbraun, gold- und silbergestromt für den Langhaar.




Zwischen 1918 und 1937 wurden noch 18 Kurzhaarhunde unbekannter Abstammung in das Niederländische Hundestammbuch aufgenommen. DanachHollandse Herder wurde es geschlossen. 1935 beschloss der Club, die zulässigen Farben zu erweitern, um so einer unerwünschten Verengung der Zuchtbasis vorzubeugen. Erlaubt waren wieder gelb, rot, braun und grau bei dem Kurzhaar; gelb, rot und aschgrau bei den Rauhaar. Mit Beginn des "Zweiten Weltkrieges" wurde vieles in der Zucht zunichte gemacht, was vordem mühsam aufgebaut wurde.

1960 wurde der Standard nochmals abgeändert, da sie den Belgiern zu sehr ähnelten. Erlaubt waren danach nur noch die Farben: beim Kurzhaar Gold- und Silberstromung; beim Rauhaar blaugrau und Pfeffer-Sals und beim Langhaar Gold u. Silberstromung. Kastanienbraun wurde wieder gestrichen. In diesem Jahr erkannte auch die FCI den Holländischen Schäferhund als eigenständige Rasse an. Immer wieder wurde über die zulässigen Haararten diskutiert. Die Kurzhaarigen sollten zugunsten der Rauhaarigen aus dem Standard gestrichen werden, oder ein Einheitsstandard sollte für alle drei Varietäten verfasst werden. Der Belgische Schäferhund wurde derzeit immer wieder eingekreuzt und es wurde darüber nachgedacht, Belgier und Holländer zusammenzulegen zu einem "Brabanter Schäferhund", welches aber kaum Zustimmung bei den Belgiern gefunden hätte.
In den 60ziger Jahren erholte sich die Zucht. Dies belegen auch die Eintragungen ins NHSB: Zwischen 1961 und 1968 wurden 332 Kurzhaar, 357 Rauhaar und 57 Langhaar eingetragen.



Herkunft - Reinzucht - Langhaar:

Hollandse Herder Langhaar
Stiefkind der Rasse blieb lange Zeit der langhaarige Schäferhund.
1898, bei Klubgründung war P. Drost aus Haarlem zwar nicht der einzige anwesende Langhaarzüchter, aber mit seinem Zwinger "van Haarlem" der bedeutendste. Neben einigen Kurzhaar-Hunden hatte er auch noch fünf Langhaar-Hunde.
In den Jahren 1903-1905 standen zehn Langhaar-Hunde aus dem Zwinger "van Haarlem" in den Büchern, die meisten davon waren gestromt.
1906 waren auf einer Ausstellung in Haarlem nur noch einige wenige Langhaar in guter Qualität vorhanden. Dies zeigte nach einem guten Start den Rückgang der Langhaarzucht.



1907 schrieb der Sekretär des Clubs, H. J. Clarion, dass der Langhaar immer seltener und kaum in guter Qualität gesichtet wird. 1908 - 1909 gab es noch weniger vom Langhaarschlag.
1910 schrieb Clarion: "Die Langhaarigen verschwinden total". 1906 wanderte der Züchter P. Drost in die USA aus, was dazu führte, dass innerhalb von 5 Jahren die Zucht dieser schönen Varietät praktisch zusammengebrochen und auf Null abgesunken war. P. Drost kam wohl bis 1908 nochmals für kurze Zeit zurück, aber trotzdem war dies fast das Ende der Langhaarzucht. Vereinzelt erschienen noch Langhaar- Hunde auf den Ausstellungen, aber von einer kontinuierlichen Zucht konnte keine Rede mehr sein. "Margando" der kurzhaarige Champion (gew. am 10.04.1920) zeugte zwar noch mit zwei verschiedenen Hündinnen recht schöne langhaarige Nachkommen, unter denen vor allem "Brutus" und "Olivia" zu nennen waren. "Brutus" wurde aber 1928 gestohlen und tauchte nie wieder auf. Mit "Olivia" wurde 1929 mit einem Langhaarigen Rüden unbekannter Herkunft ein Wurf mit drei Rüden und vier Hündinnen gezüchtet. Der Eigentümer von "Margando" und der Züchter von "Margando Brutus", A. M. A. Verhaar, berichtete über diesen bemerkenswerten Wurf 1929 in der Zeitschrift "De Hond". Die dem Bericht beigefügten Fotos zeigten recht schöne und typische Langhaar-Hunde. Von einem weiteren Wurf von "Bello" und "Olivia" vernahm man später nichts mehr. So ging wertvolles Zuchtmaterial spurlos verloren und man nahm an, der langhaarige Holländische Schäferhund sei endgültig ausgestorben, bis dann 1933 wieder ein Rüde unbekannter Abstammung auftauchte. Der damalige Clubsektretär J. F. W. Turion, schrieb in "De Hond" zu diesem Fund: "Wenn wir nun nicht sofort etwas unternehmen, wird der langhaarige Holländische Schäferhund endgültig der Vergangenheit angehören." (Foto rechts u. links "Falco"; er gilt als der Stammvater der gegenwärtigen langhaarigen Holländischen Schäferhunde; die Zeichnung rechts stammt von H. Thierer, 1934, Eigentum von Dr. L. F. Triebels. Aus L. F. Triebels und Lia Helmers-de Regt, De Hollandse Herdershond, 1982).

Da die Königinmutter Emma an "Falco", der vermutlich aus Brabant kam, Gefallen fand, holte sie ihn um 1933 als Wächter ins königliche Schloß nach Soestdijk. 1938 gab es noch einen zweiten langhaarigen Rüden unbekannter Herkunft. Derzeit glaubte der "Nederlandse Herdershonden Club", den Langhaar nicht mehr retten zu können. Aber ein pensionierter Tierarzt namens Dr. W. v. d. Akker, der aus Niederländisch Indien (er züchtete in den Kolonien Deutsche Schäferhunde) in die Heimat zurückkehrte, teilte diese Meinung nicht.

1937 trat er als Langhaarzüchter dem N.H.C. bei.

1939 erhielt er durch die Vermittlung von Ir. J. Voskens in Tilburg eine weitere Hündin unbekannter Abstammung aus Loon-op-Zand.
1939 züchtete er einen Wurf mit dem königlichen "Falco" und der Hündin "Addri van het Eigen Land". "Addri" und "Falco" waren somit die Stammeltern des modernen Holländischen Langhaar-Schäferhundes. Da leider "Falco" in den Kriegswirren am 10.05.1940 getötet wurde, war dieser Wurf praktisch die letzte Gelegenheit zur Rettung der Rasse. Leider wurde eine schöne goldbraun gestromte Hündin aus dem Wurf überfahren und zwei wunderschöne Rüden starben an Staupe. Da Dr. v. d. Akker nicht aufgeben wollte und sein Ziel hartnäckig weiter verfolgte, suchte er weiter nach langhaarigen Hunden unbekannter Abstammung. Auch den erworbenen Hunden gab er seinen Zwingernamen, so das im nachhinein schwerlich zu rekonstruieren ist, welche Hunde von v. d. Akker selbst gezogen wurden. 10 bis 15 Jahre lang züchtete er im Alleingang langhaarige Holländische Schäferhunde, ohne diese ins Zuchtbuch eintragen zu lassen und ohne den Club über seine Zuchtergebnisse zu informieren, denn er duldete keine Einmischung und konnte so unbehelligt und ohne befolgen von Vorschriften seitens des Clubs seine Ziele verfolgen, was sich im nachhinein als segenreich und Rettung der Langhaarigen erwiesen hatte. Zuchtziel von Dr. v. d. Akker war ein flinke, beweglicher, schön behaarter, gestromter Hund mit gutem, zuverlässigem Charakter. 1951 stellte er erstmals seine Zuchthunde auf einer Ausstellung des N.H.C. in Utrecht aus. Es waren nicht die einzigen Langhaar-Hunde, die während und nach dem Kriege gezüchtet wurden.

Zwischen 1945 und 1949 wurden unabhängig von Dr. v. d. Akker von den Züchtern Arb in Tilburg und v. d. Klundert in Udenhout drei Würfe unbekannter Abstammung gezüchtet, die leider wieder weitgehend für die Zucht verloren gingen. 1948 stellten die beiden ihre Hunde bereits aus.
Der Zuchtstamm, den Dr. v. d. Akker aufgebaut hatte, blieb weiterhin bestehen. Weit über sein achtzigsten Lebensjahr hinaus blieb Dr. v. d. Akker als Richter und als Züchter aktiv. Er starb 1979 im hohen Alter von 96 Jahren. Damals gab es in den Niederlanden wieder an die 200 langhaarige Holländische Schäferhunde. Seine Tochter führte den Zwinger "Van het Eigen Land" noch eine zeitlang weiter. Zweimal 1966 und 1967 wurden, um die schmale Zuchtbasis der Langhaarigen zu verbreitern, mit der Zustimmung des Raad van Beheer "Kurzhaarige" eingekreuzt. 1984 wurde auch ein Belgischer Schäferhund-Rüde (Tervueren) eingekreuzt, um die Zuchtbasis noch mehr zu verbreiten, sowie Maske und das Stehen der Ohren zu verbessern. Ab 1971 wurde kein Schäferhund unbekannter Abstammung mehr ins Niederländische Hundestammbuch eingetragen. Von 1944 bis 1960 wurden nur insgesamt 16 Hunde eingetragen, zwischen 1961 und 1968 immerhin schon 57 Hunde. Im Jahr 1980 fielen drei Würfe mit 17 Welpen, 1981 fünf Würfe mit 32 Welpen. Heute scheint die Zucht der langhaarigen Varietät gesichert zu sein, obwohl die Anzahl der Welpeneintragungen in Holland in den letzten 10 Jahren bei nur ca. 70 - 100 Welpen pro Jahr lag.

Drei Hollandse Herder

(Quelle für Geschichte und Reinzucht: größtenteils aus dem Buch "Enzyklopädie der Rassehunde" von Hans Räber - Band 1; Kosmos Verlag entnomen)